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Puh, war das ein graues, gräusliges Wochenende. Weltuntergangshimmel, Sturm, sintflutartiger Regen, Temperaturen um die 5 °C – tagelang. Die Vorboten des Jahrhunderthochwassers lassen schon mal grüßen.  Solches Wetter verlangt nach einer dicken Strickjacke, wollenen Socken und einem deftigen, wärmenden Essen. Mir kam spontan Chili Verde in den Sinn – und in den Topf. Wohl dem, der trocken sitzt.

Chili Verde con Poll

Auf Chili Verde bin ich vor einiger Zeit in amerikanischen Food-Blogs gestoßen. Das sah schon toll aus: Fleisch und weiße Bohnen in einer quietsch-grünen Sauce, der Salsa Verde. Das Gericht stammt aus Nord-Mexiko – dort wird original Schweinefleisch mit großen Mengen Tomatillos (nicht: Tomaten) und grünen Chilis sanft gegart, das gibt die grüne Farbe („verde“ – grün) und einen frisch-säuerlich, pikanten Geschmack. Salsa Verde ist in Südamerika und den US-Südstaaten auch fertig als Sauce im Glas käuflich. Wir müssen dazu das Internet bemühen oder können (mit einem kleinen Trick) unsere eigene Salsa Verde kochen.

Salsa Verde im Hinterkopf hatte ich im türkischen Laden vorsorglich lange, mild-scharfe Chili-Schoten („Sevri/Sivri“) gekauft und auf dem Wochenmarkt fein-säuerliche, grüne Costoluto-Tomaten. Costoluto-Tomaten – eine alte, sizilianische Tomatensorte – sind im Gegensatz zu allen anderen Tomaten auch grün ungiftig und sogar roh verzehrbar. Sie gibt es bereits ab März bei guten Gemüsehändlern/auf dem Markt.

Ursprünglich wollte ich ja nur Salsa Verde ausprobieren. In Anbetracht der Gesamtsituation habe ich dann kurzerhand einen ordentlichen Topf Salsa gekocht, zwei Drittel davon in Marmeladengläser für späteren Gebrauch abgefüllt und in der restlichen Salsa Verde Hühnerteile und weiße Bohnen langsam vor sich hin  gar ziehen lassen. Jaja, im Einsatz war mal wieder der Reiskocher aka Slow Cooker.  In diesem kochte die Sauce, dort wurde püriert (Mixstab) und dort wurden dann gleich die Hühnerteile und Bohnen ins Grün versenkt. Ein Aufwasch – im wahren Sinne des Wortes. Bei der Salsa-Herstellung habe ich zusätzlich noch ein klein wenig abgekürzt. Der Aufwand für mich hielt sich in Grenzen, die noch als Spaß zu bezeichnen sind. Das Ergebnis war überzeugend – wärmend und wohlschmeckend. So muss das sein.

Hier das Rezept:

Chili Verde con Pollo aus dem Reiskocher

(Abkürzungen hier)

Salsa Verde

500 g lange, grüne Chilis (15–20 cm lange, schlanke Früchte von milder Schärfe; türkische „Sevri/Sivri“)

200 g Tomatillos (Ersatz: säuerliche grüne Tomaten z. B. Costoluto, evtl. etwas Limetten-/Zitronensaft)

50 g Zwiebel

1–2 Knoblauchzehe(n)

Salz/Rauchsalz

Original wird das Gemüse auf dem Holzkohlengrill (oder zumindest unter dem Ofengrill) angeröstet und dann gehäutet. Das habe ich mir geschenkt. Rauchsalz bringt hier den Kick. Die Tomaten und Chilis habe ich grob geschnitten (Chilis vorher längs aufschneiden und die Masse der Kerne entfernen), mit Rauchsalz bestreut und mit 1 EL Wasser 1 Stunde im Reiskocher im Programm Slow Cook gegart. Das Gemüse sollte richtig weich sein, aber nicht tot gekocht. Dann mit dem Mixstab pürieren und kochend heiß in frisch gespülte, vorgewärmte Gläser füllen. Sofort verschließen.

Chili Verde con Pollo

(Rezept für 2 Portionen als Hauptgericht oder 4 Portionen über Reis, Abkürzungen hier)

1 Hühnerkeule mit Haut und Knochen

1/2 Hühnerbrust (1 Filet)

Ich habe bewusst unterschiedliches Hühnerfleisch benutzt. Nur mit dem Brustfilet – da habe ich Bedenken, dass das Gericht zu fad wird. Meine Ausgangslage war ein komplettes Huhn, das kann ich mir einteilen, wie ich’s brauche. Für Leute, die Hühnerteile im Laden oder auf dem Markt kaufen, ist es eine gute Option, Hühnerbrust  mit Haut und Knochen zu kaufen und im Stück zu garen. Die Brust hat etwa die halbe Garzeit der Keule.

1 T Salsa Verde

1 Dose dicke, weiße Bohnen a 400 g (240 g abgetropft, abgespült)

1 TL Cumin (Kreuzkümmel) gemahlen

1/2 TL Oregano

3 EL Wasser

etwas Pfeffer, gemahlen

Garnierung

Sauerrahm, Creme Fraiche etc. (gesalzener Joghurt geht auch)

Koriandergrün oder Petersilie, grob zerzupft

mittelalter Gouda, Cheddar oder anderer, mild-würziger Käse Eurer Wahl; in „Streichhölzer“ geschnitten oder grob gerieben

Fleisch kalt gründlich abwaschen und mit Haushaltspapier abtrocknen (Hygiene). Salsa Verde in den Innentopf des Reiskochers füllen und Hühnerkeule einlegen. Programm Slow Cook 2 Stunden. Nach 1 Stunde zügig Hühnerbrust, Bohnen, Gewürze und  Wasser zugeben, umrühren und Deckel wieder schließen. Der Reiskocher springt nach einer weiteren Stunde Slow Cook auf Keep Warm – so sollte er mind. 4 Stunden nachgaren (der Topf bleibt zu!). Ich habe das Gericht um 11 Uhr gestartet, 18:00 Uhr gab’s dann das Essen. Kurz vor dem Essen werden die Fleischteile herausgenommen (Zange oder Löffel/Gabel).  Das Fleisch ist butterweich und zerfällt fast von allein. Mit der Zange/Gabel wird die Haut abgehoben und das Fleisch vom Knochen getrennt. Fleisch in mundgerechte Bissen zerdrücken/-zupfen und wieder in das Chili geben.

Mit einem dicken Klecks Sauerrahm und Koriander oder Petersilie servieren. Wer mag, kann noch Käse darüber streuen.

Alternative zum Reiskocher:

  • kleiner Slow Cooker auf HIGH (verlässliche Zeitangaben kann ich hier nicht machen, erfahrungsgemäß brauche ich im Reiskocher ca. 3/4 der Garzeiten von Slow Cooker HIGH)
  • im Topf auf dem Herd sanft garen, geschätzte Kochzeit 20 min. für die Salsa und 45–60 min. für Hühnerkeule, Brust halbe Garzeit.

Es lohnt sich, gleich die doppelte Menge zu kochen – dann hat man unter der Woche gleich noch ein fertiges Essen parat, zum Mitnehmen in die Arbeit oder zum Aufwärmen Abends daheim.